Fernstudium - Online-On-Campus-Phase

»On-Campus« goes »online«: neue Studienformate in Krisenzeiten

»On-Campus« goes »online«! – Krisen stellen uns immer wieder vor neue Herausforderungen, so auch beim Angebot diverser Studienformate. Gerade in Zeiten des Abstandhaltens und des Social Distancings zeigt sich, welch vielfältige und zugleich praktikable Lösungen die Digitalisierung bereits auf den Weg gebracht hat, um auch in der Bildung den Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden weiterhin zu fördern und aufrechtzuerhalten. In der Hochschullehre können dabei vor allem Studiengänge, die das Prinzip des Blended Learning (Verzahnung von Präsenz- und Online-Unterricht) anwenden, von den neuen Techniken und Methoden profitieren. Wie die Umstellung von On-Campus-Veranstaltungen hin zu Online-Formaten gelingen kann, zeigen wir am Beispiel des Master-Fernstudiengangs »Software Engineering for Embedded Systems« (MSE), welcher vom Distance and Independent Studies Center (DISC) in Kaiserslautern in Kooperation mit uns, dem Fraunhofer IESE, angeboten wird.

Master-Fernstudiengang »Software Engineering for Embedded Systems« (MSE)

Seit dem Wintersemester 2008/2009 führt das Distance and Independent Studies Center (DISC) der TU Kaiserslautern den Master-Fernstudiengang »Software Engineering for Embedded Systems« (kurz: MSE) in Kooperation mit unserem Institut, dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, durch. Zur Vertiefung und zur praktischen Anwendung des in der Theorie erlangten Wissens verbringen die Studierenden hierbei standardmäßig mehrere Praxisphasen (On-Campus-Phasen) vor Ort an unserem Institut.

Allgemeine Infos zum Master-Fernstudiengang »Software Engineering für Embedded Systems« (MSE)

 

Der Fernstudiengang »Software Engineering for Embedded Systems« ist ein berufsbegleitender Fernstudiengang und umfasst eine Regelstudienzeit von insgesamt vier Semestern. Der erfolgreiche Abschluss des Studienganges wird durch ein Zeugnis der Technischen Universität Kaiserlautern, eine Urkunde über die Verleihung des akademischen Grades Master of Engineering (M.Eng.) sowie ein Diploma Supplement in englischer Sprache bescheinigt.

 

Weitere Informationen zum Studiengang sowie die Möglichkeit zur Bewerbung finden Sie hier.

Haben wir Ihr Interesse am MSE-Fernstudiengang geweckt?

Dann bewerben Sie sich jetzt! In diesem Jahr sind Bewerbungen noch bis zum 20. August 2020 möglich. Zur Bewerbung.

Bei den On-Campus-Phasen unseres sehr global ausgerichteten MSE-Fernstudiengangs kommt häufig die »ganze Welt« zusammen, um sich mit den Dozent*innen und Kommiliton*innen zu treffen und sich im gegenseitigen Diskurs miteinander auszutauschen. Das gleicht häufig einem internationalen Klassentreffen.

Auch in diesem Jahr sollte die alljährliche On-Campus-Phase wie gewohnt stattfinden. Doch der Ausbruch der Corona-Krise verhinderte dies und machte ein reales Treffen – dazu noch mit Menschen aus so vielen unterschiedlichen Nationen – schlichtweg unmöglich. Schnell stand fest: die On-Campus-Phase muss im Jahr 2020 einem virtuellen Format weichen. So wurde aus »On-Campus« nun also »online«.

Im Interview mit den Verantwortlichen des MSE-Fernstudiengangs – Dr. Juliane Brauch (Programmmanagerin des MSE-Fernstudiengangs am DISC), Eva Blum (Studiengangsorganisatorin am Fraunhofer IESE) und Christian Peper (Modulbetreuer der On-Campus-Phasen am Fraunhofer IESE) wollten wir herausfinden, welchen Herausforderungen sich das Orga-Team bei der Umstrukturierung der On-Campus-Phase stellen musste, wie dabei die Umsetzung trotz zahlreicher Hürden gelingen konnte und welche Chancen sich daraus nun für die Zukunft ergeben haben.

Frau Dr. Brauch, welche Ziele verfolgen Sie bzw. das DISC mit der On-Campus-Phase im Kontext eines Blended-Learning-Ansatzes im Studiengang MSE und welchen Nutzen bieten die Präsenzphasen den Studierenden?


Dr. Brauch (Programmmanagerin, DISC):
Während der einwöchigen Präsenzphasen, die regulär am Ende des zweiten und dritten Semesters am Fraunhofer IESE in Kaiserslautern stattfinden, werden die im Selbststudium erarbeiteten Inhalte im Rahmen diverser Übungen und Gruppenarbeiten vertieft und vor dem Hintergrund aktueller Fragestellungen diskutiert. Die Studierenden lernen in Kaiserslautern vor Ort die Räumlichkeiten des Fraunhofer IESE kennen, welches eines der führenden Forschungsinstitute im Bereich des Software und Systems Engineering ist. Dabei wird der enge Kontakt zu den Verantwortlichen sowie zwischen den Studierenden untereinander sehr geschätzt.

Frau Blum, die On-Campus-Phasen leben in der Regel von der Interaktion und dem direkten Austausch der Studierenden. Aufgrund der Corona-Krise ist es im Jahr 2020 nicht möglich, die On-Campus-Phasen als Präsenzveranstaltung am Fraunhofer IESE durchzuführen. Vor welche Herausforderungen hat Sie dies hinsichtlich der Umstrukturierung der Studiengangsorganisation am Fraunhofer IESE gestellt und wie gelang es Ihnen, diese zu bewältigen?


Blum (Studiengangsorganisation am Fraunhofer IESE):
Für uns war es eine große Aufgabe, die Studierenden auch virtuell bestmöglich in das Geschehen sowie die Arbeitsumgebung einzubinden und schnell auf ihre Fragen einzugehen. Bei unseren Präsenzphasen ist sofort erkennbar, wenn jemand Hilfe benötigt, und der Tutor kann direkt auf die Fragestellungen eingehen. Erklärt dieser dann das Problem, so bekommen es die anderen Studierenden ebenfalls mit. Dies ist in der Online-Version unserer On-Campus-Phasen nicht möglich. Der Tutor muss sich beim Beantworten kniffliger Fragestellungen daher mehrfach wiederholen, um die Studierenden in ihren Arbeitsgruppen bei der Lösung diverser Problemstellungen zu unterstützen.

Das bedeutete für unseren Tutor, Herrn Peper, dass er zeitgleich immer 12 Bildschirme im Blick behalten musste, um adäquat auf Hilfeanfragen reagieren zu können. Das ist ein enormer Aufwand und alleine kaum zu schaffen. Für eine zufriedenstellende Koordination der Anfragen der Studierenden war daher ein höherer Personalaufwand nötig.

Ein weiterer Aspekt, der in den Online-Phasen merklich fehlt, ist der direkte soziale und persönliche Austausch unter den Studierenden und mit uns, den Organisatoren, Koordinatoren und Tutoren vor Ort. Das gilt für die Pausen, die wir sonst immer gemeinsam verbracht haben, ebenso wie für das Abendprogramm, bei dem wir uns z. B. standardmäßig als Gruppe zu einem abendlichen Get-Together mit unserem ehemaligen Institutsleiter, Prof. Rombach, verabredet haben und er den Studierenden einen ganzen Abend lang zu zahlreichen fachlichen, aber auch persönlichen Fragen Rede und Antwort stand. Solche gemeinsamen »Ausflüge« fördern einfach den Zusammenhalt der Gruppe.

Um den fehlenden gemeinsamen Besuch im Restaurant in diesem Jahr während der Online-On-Campus-Phase zu kompensieren, wagten wir den Versuch eines Online Social Events. Dabei trafen sich einige Studierende, Tutoren und Organisatoren mit Essen und Trinken vor ihren Bildschirmen und ließen den Abend mit ebenfalls interessanten und teils auch sehr unterhaltsamen Gesprächen ausklingen. Geht DOCH!

Herr Peper, als Modulbetreuer der On-Campus-Phase und des darin integrierten Praktikums am Fraunhofer IESE sind Sie für die Studierenden der erste Ansprechpartner, wenn es um fachliche Fragen und die Vor-Ort-Betreuung geht. Welche Veränderungen und daraus resultierende Vor- und Nachteile konnten Sie bei der nun erstmals digital durchgeführten On-Campus-Phase feststellen?


Peper (Modulbetreuer der On-Campus-Phase mit Praktikum am Fraunhofer IESE):
Da es sich bei dem MSE-Fernstudiengang ohnehin um einen Online-Weiterbildungsstudiengang handelt, ist der Umgang mit digitalen Medien sowohl für die Betreuenden als auch für die Studierenden nicht neu. Insbesondere konnten fast alle Teilnehmenden durch die Corona-Krise und (die damit in Verbindung stehenden) Home-Office-Arbeitssituationen auch schon vorab weitgehende Erfahrungen im Umgang mit entsprechenden Videokonferenz- und Kooperationsumgebungen sammeln. Grundsätzliche Probleme mit dem Einsatz entsprechender Werkzeuge ergaben sich bei dieser eher technikaffinen Gruppe daher nicht.

Unsere größte Herausforderung bestand daher eher darin, das vorgesehene Setting, welches ja eigentlich für die Durchführung in einer fünftägigen Präsenzveranstaltung vorgesehen war, auf eine Online-Umgebung umzustellen. Dies warf zahlreiche Fragen auf, über die wir uns bei unseren On-Campus-Phasen mit physischer Präsenz üblicherweise überhaupt keine Gedanken machen müssen, darunter Fragen wie:

  • Wie können die Studierenden gemeinsame Arbeitsgruppen bilden und zusammen am gleichen Rechner arbeiten?
  • Wie lässt es sich realisieren, dass der Online-Referent zur Betreuung der einzelnen Studierenden zwischen den gebildeten Arbeitsgruppen hin- und herspringen kann?
  • Wie können die Teilnehmenden am einfachsten eine Frage stellen?
  • Wie lassen sich die Arbeitsgruppen wieder zusammenführen, wenn die nächste gemeinschaftliche Präsentation ansteht?

All diese offenen Fragestellungen ließen sich durch das Anlegen mehrerer parallel laufender Videokonferenzen und Chats und einiger zusätzlicher Maßnahmen zwar lösen – jedoch fiel die Synchronisation all dieser Aufgaben deutlich schwerer als bei einer Präsenzveranstaltung, bei der sich die Teilnehmenden im gleichen Raum befinden. Auch zur Aufgabenbearbeitung mussten wir den Studierenden dementsprechend längere Bearbeitungszeiten einräumen.

Hinsichtlich der technischen Voraussetzungen für digitale Lern- und Lehrformate gibt es derzeit zwar noch sehr viel Verbesserungspotenzial, aber wir sind uns sicher: Hier wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun, um die Anwenderfreundlichkeit und Praktikabilität der bisher bestehenden Anwendungen und Kommunikationswerkzeuge zu erhöhen!

Jedoch bietet jede Herausforderung schließlich auch zahlreiche Chancen: Seitens unserer Studierenden liegt der wohl größte Vorteil bei der Durchführung von Online-Phasen im nicht zu unterschätzenden Wegfall von zeit- und kostenintensiven Aufwänden für Reisen und Übernachtungen.

Mit der Corona-Krise wurden sämtliche Kommunikations- und Arbeitsweisen revolutioniert. Dies hat auch zu Veränderungen in der universitären Lehre und in der Forschungslandschaft geführt. Welche neuen Einblicke und Erkenntnisse konnten Sie als Studiengangsanbieter mit der nun erstmals digital durchgeführten On-Campus-Phase aus der Situation und den neu angewandten Lehr- und Lernmethoden ziehen? Welche davon sind und bleiben für Sie auch in Zukunft interessant?


Dr. Brauch (Programmmanagerin, DISC):
Das DISC blickt als Fernstudienanbieter auf über 25 Jahre Erfahrung zurück. Mit Ausnahme der Präsenzphasen inklusive Klausurabnahme ist der Fernstudiengang so konzipiert, dass er zeit- und ortsunabhängig studierbar ist.

Blum (Studiengangsorganisation am Fraunhofer IESE): Viele Kommunikationstools werden derzeit erprobt und diskutiert. Dabei sind leider nicht alle Tools, die für die Bedürfnisse der vorgesehenen Lernumgebung nötig sind, vom Arbeitgeber erlaubt und dürfen daher nicht eingesetzt werden. Mit Blick auf die Anwenderfreundlichkeit bereits bestehender Tools muss daher noch einiges geschehen, um in Zukunft auch online in Gruppen möglichst uneingeschränkt und realitätsnah miteinander kommunizieren zu können.

Peper (Modulbetreuer der On-Campus-Phase mit Praktikum am Fraunhofer IESE): Bisher eigenen sich Online-Veranstaltungen für mich vor allem dafür, geeignetes Wissen zu vermitteln. Im Vergleich zu Präsenzveranstaltungen gehen jedoch folgende Aspekte (noch) recht stark unter: Gruppengefühl, Gruppendynamik, Erfahrungsaustausch (fachlich wie auch privat), Kontakt mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Einblicke in unser Forschungsinstitut (eine kleine Führung durchs IESE ist Standard bei Präsenzen).

Ist auch für die Zukunft eine weitere online stattfindende On-Campus-Phase geplant?


Dr. Brauch (Programmmanagerin, DISC):
Für unsere Zweitsemester planen wir im September diesen Jahres ebenfalls eine einwöchige On-Campus-Phase im Online-Modus.

Peper (Modulbetreuer der On-Campus-Phase mit Praktikum am Fraunhofer IESE): Solange uns Corona begleitet, werden wir alle Präsenzveranstaltungen nach Möglichkeit online anbieten. Die nächste On-Campus-Phase im September kann genutzt werden, um auf Basis der jetzt vorliegenden Erfahrungen die technische Umgebung zu konsolidieren und weiter zu verbessern, so dass deren Einsatz immer weniger aufwändig wird. Es ist auch geplant, diese Umgebung für andere IESE-Online-Veranstaltungen wie z.B. Online-Seminare einzusetzen.


Das Interview führte Jasmin Awan,

Mitarbeiterin in der Abteilung UKTM des Fraunhofer IESE.

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