Rückblick 2019: Unser »agiles« Jahr

In diesem Blogbeitrag berichten wir, in welchen Bereichen die Abteilung »Digital Society Ecosystems« des Fraunhofer IESE im vergangenen Jahr rund um das Thema »Agile Softwareentwicklung« besonders aktiv war. Damals noch in der Abteilung »Process Engineering« verankert, haben sich unsere Experten für agile Prozesse in Industrieprojekten und öffentlichen Forschungsprojekten mit verschiedenen Aspekten von agiler Entwicklung beschäftigt. Sie haben die Ergebnisse auf Konferenzen vorgestellt oder in Publikationen festgehalten.

Industrieprojekte
Fangen wir mit den Industrieprojekten an. Zusammen mit unserem Industrieprojektpartner Bosch Chassis Systems Control (CC) gingen wir 2019 in unser viertes gemeinsames Kooperationsjahr. Seit 2016 also arbeiten das Fraunhofer IESE und Bosch CC erfolgreich gemeinsam an diversen Aspekten rund um Agilität. Hierzu zählten in der Vergangenheit Themen wie beispielweise der eingesetzte Grad an Agilität, agile Skalierungsansätze, Agile Transition und konkrete Projektunterstützungen (z. B. Coaching) zu diesen Themen. 2019 lag der Fokus auf der Suche nach geeigneten, attraktiven Wissenstransferkonzepte zur Vermittlung klassischer Engineering-Themen und deren Anpassung. Als Anwendungsfall wurde die Rolle eines klassischen Testmanagers ausgewählt. In Bezug auf dessen ursprüngliche Definition, Aufgaben, Aktivitäten und Verantwortungsbereiche und in Bezug auf die Arbeiten im agilen Kontext wurden Anpassungen erarbeitet, um die Rolle in den agilen Arbeitskontext zu integrieren. Daraus entstand die Rolle des agilen Testmanagers. Anschließend wurden für die Rolle des agilen Testmanagers geeignete Wissenstransferkonzepte ausgewählt und angepasst. Auch 2020 wird die Zusammenarbeit fortgesetzt, um Wissenstransferkonzepte zur Vermittlung von Themen aus dem Bereich »Continuous Integration« zu finden.

Ein weiterer Industriepartner im vergangenen Jahr war die Volkswagen AG. In diesem Projekt ging es darum, die Konzern Grundanforderungen Software (KGAS), welche die Softwareentwicklungsanforderungen für den gesamten Volkswagen-Konzern definieren, in Einklang mit der agilen Entwicklung zu bringen. Dabei sollte die Einhaltung der KGAS garantiert werden. Deshalb untersuchten wir für den Bereich Konzern-Software-Qualitätssicherung der Volkswagen AG, wie die Erfüllung der KGAS mit agilen Vorgehensweisen möglich ist. Ziel war es, in Abstimmung mit KGAS-Verantwortlichen und agilen Experten von VW mithilfe eines Mappings agiler Praktiken auf die KGAS-Anforderungen dem Wunsch von VW nach einer agilen Entwicklung nachzukommen. Am Ende stand ein Pocket Guide, der für eine Auswahl an Anforderungen eine Übersicht darüber bietet, welche Anforderungen unabhängig von der agilen Vorgehensweise sind und welche durch agile Praktiken unterstützt werden. Für die unterstützten Anforderungen wurde aufgezeigt, inwiefern agile Praktiken durch ihre Funktion und Anwendung die VW-Anforderungen unterstützen.

Forschungsprojekte
Neben Industrieprojekten ist es auch das Ziel des Fraunhofer IESE, auf Basis von Forschungsprojekten im Bereich der agilen Softwareentwicklung neue Anwendungsfelder und Möglichkeiten von »Agil« zu erforschen. Deshalb haben wir eine Projektskizze bei der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Förderinitiative »KMUinnovativ« zum Thema »Agile und Machine Learning« eingereicht. Inhaltlich soll die Entwicklung eines für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geeigneten Machine-Learning(ML)-Prozessmodells und dessen Flexibilisierung durch Praktiken aus der agilen Softwareentwicklung erforscht werden. Das Konsortium besteht neben dem Fraunhofer IESE als Forschungspartner aus vier KMU, die als Anwendungspartner fungieren und deren Handwerk aus der Arbeit mit Machine Learning besteht. Zusammen mit diesen Partnern wird das Prozessmodell entwickelt und durch sie im realen Kontext der KMU-Arbeitswelt getestet.

Publikationen
Ein weiterer Schwerpunkt 2019 war das Verbreiten der erzielten (Forschungs-)Ergebnisse im Bereich der agilen Softwareentwicklung durch Publikationen, wie z. B. Blogbeiträge, Beiträge in Fachmagazinen, Journalbeiträgen, Präsentationen oder Workshops, und durch Konferenzauftritte – sei es zum Austausch, zum Finden neuer Forschungsideen oder gar zum Beschließen gemeinsamer Projekte. Nachfolgend sind die unterschiedlichen Aktivitäten und deren Inhalte in einem kurzen Überblick dargestellt:

  • [9. Mai, JSEP] Agile Transition: Hier veröffentlichten wir ein Journal-Paper, welches die von uns durchgeführte Case Study über die schrittweise agile Transition eines früheren Forschungspartners beschreibt. Die Ergebnisse der Case Study zeigen, dass Unternehmen bereits mit wenigen agilen Praktiken Verbesserungen erreichen und eine agile Transition starten können.
  • [21.-25. Mai, XP] Agile Skalierungsframeworks: Bei dieser Einreichung stand unser Vergleich von agilen Skalierungsframeworks anhand ihrer genutzten Praktiken im Mittelpunkt. Mithilfe einer an einer U-Bahn-Map orientierten Visualisierung zeigten wir, dass die meisten Skalierungsframeworks auf Scrum basieren und auf Teamebene die Scrum-Events fordern. Gleichzeitig bietet die ebenso im Vortrag enthaltene Übersicht über Skalierungspraktiken für Unternehmen die Option, Cherry-Picking bei ebendiesen Praktiken anzuwenden.
  • [01.-04. Sep., LASD] Release Planung: In Kooperation mit einer Doktorandin eines Automobilkonzerns wurde eine Umfragestudie mit einem Automobil-OEM durchgeführt. Ziel der Umfrage war die Beschreibung der Herausforderungen bei der Release-Planung in einem Umfeld, in dem sich agile und traditionelle Projekte innerhalb eines Produktentwicklungsprozesses synchronisieren müssen.
  • [24.-25. Okt., PVM] Agile Kultur: Mit unserem Beitrag auf der PVM 2019 gewannen wir den Best Paper Award. Inhalt des Beitrags war es, wie Teams durch ein Assessment ihrer agilen Kultur auch außerhalb der Softwareentwicklung Verbesserungen identifizieren können.
  • [27.-29. Nov., PROFES] Agile-Maturity-Modelle: Zum Jahresabschluss stellten wir im warmen Barcelona auf der PROFES unseren Vergleich agiler Maturity-Modelle vor. In diesem zeigen und beschreiben wir die Kriterien, die Unternehmen bei der Auswahl eines für sie passenden Reifegradmodells unterstützen.
      • Titel: Comparison of Agile Maturity Models
      • Autoren: Schmitt A., Theobald S., Diebold P.
      • Konferenz: International Conference on Product-Focused Software Process Improvement (PROFES)

Zukunftsthemen
Ein Thema, welches in Zukunft mehr Aufmerksamkeit unsererseits erhalten wird, ist die Schnittstelle zwischen agil & traditionell, optimalerweise nicht nur im Forschungs-, sondern auch im Industriekontext. Leider ist sie bei all unseren anderen oben genannten Tätigkeiten rund um das Thema »Agil« bisher etwas zu kurz gekommen, was sich aber, auch aufgrund einer aktuellen Doktorarbeit, 2020 ändern wird. Denn auch in dieser Doktorarbeit liegt der Fokus genau auf jener Schnittstelle zwischen agilen Teams und ihrem traditionellen Umfeld.

Während unserer Forschung rund um das Thema Agil stießen wir unter anderem auf die Idee, dass nicht nur Softwareentwicklungsprozesse, sondern auch Geschäftsprozesse, welche die Gesamtheit aller existierenden Prozesse in einem Unternehmen darstellen, vom Einsatz agiler Praktiken profitieren können. Um die Aktualität unserer Idee von agilen Geschäftsprozessen zu ermitteln, führten wir eine Systematische Literaturrecherche (SLR) durch, deren Ergebnisse 2020 veröffentlicht werden sollen.

2019 zwar ohne Publikation, aber mit Vorbereitungen für Publikationen im Jahr 2020 war die agile Organisation stets ein Thema. In einem kleinen Team stehen wir in regem Austausch und interessanten Diskussionen, und untersuchen mithilfe einer systematischen Literatursuche, wie agile Führungskonzepte auch außerhalb der Softwareentwicklung auf Unternehmensebene eingesetzt werden können.

Wer mehr über unsere Projekte, Publikationen und Arbeiten im Allgemeinen rund um das Thema »Agil« wissen möchte, der melde sich einfach bei uns. Wir freuen uns über jeden Austausch, jedes Feedback, jeden Denkanstoß für neue Themen und jede Kollaboration.

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