Notfallmedizin

Tool zur Disposition in der Notfallmedizin um COVID-19 erweitert

Ohne Daten und Software läuft heutzutage auch in der Notfallmedizin und beim Rettungsdienst nichts mehr. Darum leisten wir mit dem am Fraunhofer IESE angesiedelten Deutschen Zentrum für Notfallmedizin und Informationstechnologie (DENIT) für die rheinland-pfälzische Landesregierung und die entsprechenden Behörden seit dem Jahr 2008 eine kompetente Beratung und Unterstützung bei der Analyse und Bereitstellung von Daten zu notfallmedizinischen und rettungsdienstlichen Fragestellungen.

Ziel des DENIT ist es, Lösungen zur präklinischen Prozessoptimierung zu entwickeln. Unter anderem geht es darum, Rettungsdiensten jederzeit die Ansteuerung einer nahegelegenen, aufnahmebereiten Klinik zu ermöglichen, um den Patienten eine möglichst schnelle Versorgung zu gewährleisten. In Zeiten von einer Pandemie wie mit COVID-19 für die Notfallmedizin ein sehr hilfreiches Tool.

Der Zentrale Landesweite Behandlungskapazitätennachweis (ZLB)

 

Mithilfe des am Fraunhofer IESE entwickelten Zentralen Landesweiten Behandlungskapazitätennachweises (ZLB) können Akutkliniken in Rheinland-Pfalz ihre aktuellen Verfügbarkeiten auf einem Server, der ebenfalls vom Fraunhofer IESE betrieben wird, eingeben. Dadurch wird eine bettengenaue Erfassung möglich, was sowohl die prinzipiell verfügbaren Betten, als auch die bereits belegten Kapazitäten für Intensiv- und Normalbetten betrifft. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der ZLB um weitere Meldungen zu Behandlungskapazitäten für COVID-19-Patienten ergänzt. Dabei werden auch die bei COVID-19 so wichtigen Herz-Lungen-Maschinen registriert. Mit dem ZLB kann somit einerseits eine reibungslosere Disposition von COVID-19-Patienten erfolgen und andererseits erhalten die Landesregierung, die Rettungsdienstbehörden, Rettungsleitstellen und Kliniken gleichzeitig eine größtmögliche Transparenz.

Rolf van Lengen, unser Geschäftsfeldmanager und Programm-Manager Healthcare gewährt uns in einem Interview noch weitere, intensivere Einblicke zur Idee, der Funktion und der Erweiterung des ZLB – auch mit ganz besonderem Blick auf die nun neuen Bedingungen im Rahmen der Corona-Pandemie.

Was ist der ZLB?

Der »Zentrale landesweite Behandlungskapazitätennachweis Rheinland-Pfalz (ZLB)« ist ein webbasiertes Informationssystem, das dazu in der Lage ist, die landesweite Aufnahmebereitschaften von Krankenhäusern und Kliniken tabellarisch bzw. in Form einer Karte in Echtzeit abzubilden. Der ZLB wurde ursprünglich zum Support der schnittstellenübergreifenden Kooperation zwischen dem Rettungsdienst und den Krankenhäusern etabliert, um in der Notfallmedizin vorausschauender handeln zu können.

Wie funktioniert der ZLB?

Autorisierte Benutzer verschiedener Anwendergruppen (z. B. Ministerien, Kliniken, Leitstellen, Behörden, Ärztliche Leiter Rettungsdienst ÄLRD, ADD) können den ZLB als webbasiertes Informationssystem über einen Webbrowser bedienen. In Abhängigkeit zur bestehenden Primärdiagnostik des Patienten werden den Benutzern dann aktuell vorhandene Akutkapazitäten (z.B. bei Polytrauma), diagnosebezogene Intensivbetten (Behandlung, Überwachung, ECMO), Abteilungsbetten (z.B. Fachrichtung Innere Medizin) und sonstige Infrastrukturen angezeigt. Der ZLB weist die einzelnen Kapazitäten dabei als verfügbar, nicht verfügbar oder defekt aus. Auf Basis der eingegebenen Daten werden umfangreichen Statusboards, landesweite Lagebilder und Analysen in Abhängigkeit eines Rechte- und Rollensystems geboten. Insgesamt sind in Rheinland-Pfalz ca. 100 Kliniken, 2 Ministerien, 8 Leitstellen und 8 ÄLRD, sowie die ADD an das System angebunden.

Um welche Funktionen wurde der ZLB in der Notfallmedizin in Zeiten von COVID-19 erweitert und was kann er zusätzlich abbilden?

Die Erweiterung der Funktionen des ZLB haben im Hinblick auf Corona dazu geführt, dass neben der reinen Verfügbarkeit einzelner Behandlungskapazitäten nun zusätzlich die Anzahl der vorhandenen freien bzw. belegten Intensiv- und Abteilungsbetten, sowie der einsatzbereiten ECMOs genau dokumentiert werden. Es wurde ein spezielles Lagebild für Rheinland-Pfalz hinzugenommen, das den Entscheidungsträgern jederzeit die Auslastung der COVID-19 Behandlungskapazitäten landesweit bietet. Auch die im Rahmen der Vorbereitungsmaßnahmen der Landesregierung zusätzlich hinzugekommenen COVID-19-Einrichtungen für Notfallmedizin sind im ZLB verzeichnet.

Der Einsatz des ZLB wäre aus technischer Sicht auch für andere Bundesländer, die z.T. noch gar kein solches System im Einsatz haben, verwendbar.

Lesen Sie mehr zum DENIT und dem ZLB im Artikel »DIGITAL HEALTH – Modul für den Fall der Fälle« der Innovisions – Das Zukunftsmagazin des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie.

 

Weiterführende Infos finden Sie außerdem unter: https://s.fhg.de/zlbk

 

FRAUNHOFER VS. CORONA

Die COVID-19-Pandemie hinterlässt Spuren im Alltag, bei der Gesundheit der Menschen, bei den Unternehmen, bei der hiesigen Ökonomie und der Weltwirtschaft. Expertinnen und Experten von Fraunhofer IESE bringen ihr Know-How ein, um Wirtschaft und Gesellschaft bei der Bewältigung direkter Auswirkungen und späterer Folgen zu unterstützen. Lesen Sie weitere Artikel in Bezug zu Corona und Fraunhofer IESE.

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